Innung – Organisation von Handwerksbetrieben mit Tradition

Innung – Organisation von Handwerksbetrieben mit Tradition

Der Zusammenschluss von Handwerkern ist bereits seit dem 12. Jahrhundert ein wichtiges Mittel zur Wahrung der Interessen von den Ausübenden eines Handwerks. In der Vergangenheit galten hier Zünfte und Gilden als derartige Organisationen, bevor sie durch die Einführung der Gewerbefreiheit im Deutschland des 19. Jahrhunderts nach und nach abgeschafft wurden. Die Nachfolger der Zünfte werden als Innung bezeichnet und stellen einen freiwilligen Zusammenschluss von selbstständigen Handwerkern in Form einer Körperschaft des öffentlichen Rechts dar, mit dem Ziel die Interessen zu bündeln und zu vertreten. Außerdem dienen sie für das entsprechende Handwerk als lokale Anlaufstelle bei Konflikten zwischen Auftraggeber und -nehmer. Die Hierarchie im Bereich der Innungen umfasst dabei lokale Vertretungen unter Vorsitz des Obermeisters, meist bezogen auf eine Großstadt oder einen Landkreis, und übergeordnete Zusammenschlüsse sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene.

Machtverhältnis im Baugewerbe

Bei der Vertretung des Handwerks im Baugewerbe wird unterschieden in Handwerkskammer und Innung. Der Unterschied liegt hierbei vor allem im Machtverhältnis. Während die Mitgliedschaft in einer Innung freiwillig erfolgt, ist ein solche in der Handwerkskammer Voraussetzung für das Ausüben einer entsprechenden handwerklichen Tätigkeit. In diesem Sinne führt die Kammer sowohl die Handwerks- als auch die Lehrlingsrolle, in denen alle Ausübenden des entsprechenden Handwerks gelistet sind. Weiterhin hat die Handwerkskammer die Rechtsaufsicht über die Innungen im jeweiligen Kammerraum inne, wohingegen es sich bei der Kammer um eine selbstregulierende Körperschaft handelt. Sie übt Einfluss auf die politischen Rahmenbedingungen für das entsprechende Handwerk aus und habt so eher das Gesamtbild im Blick. Eine Innung versucht hingegen in erster Linie, die Interessen seiner Mitglieder zu wahren.

Vertretung der Handwerksbetriebe im Rahmen der Tarifvertragsverhandlungen durch die Innung

Deutlich ist die nicht unbedeutende Rolle, welche die Innung bei der Festlegung der normativen und schuldrechtlichen Rechtsvorschriften im Rahmen der Tarifvertragsverhandlungen spielt. Als regionale Vertretung der Mitglieder eines Handwerks ist die Innung zum einen dafür verantwortlich diese über Entwicklungen im tarifrechtlichen Bereich zu informieren, sondern dient auch als Interessenvertretung, wenn es um Änderungen am jeweils gültigen Tarifvertrag geht. Dieser beinhaltet vor allem Regelungen zu den Lohngruppen, den Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und der Aufnahmen bzw. Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Er dient dazu, ein Machtgleichgewicht zwischen den zwei Tarifvertragsparteien herzustellen. Als Arbeitskampfmittel bei den Verhandlungen kommen Streiks bzw. Aussperrungen zum Einsatz. Dabei kann die Innung als Vertretung seiner Mitglieder fungieren, um Maßnahmen besser zu organisieren. Das Tarifregister bietet eine Auflistung sämtlicher verbindlicher Tarifverträge und kann von jedem eingesehen werden.

Die Rolle der Innung in der Ausbildung

Eine wichtige Funktion nimmt die Innung hinsichtlich der Ausbildung von Lehrlingen im Handwerk ein. Sie sorgt insbesondere für die Einhaltung der Ausbildungsordnung. In dieser werden das Berufsbild, Prüfungsinhalte, die Ausbildungsdauer und der Ausbildungsrahmenplan im Bezug auf das duale Berufsausbildungssystem festgelegt. Die Innung nutzt hier ihren engen Kontakt zu den Lehrlingen und den regionalen Ausbildungsbetrieben, um Probleme und Defizite aufzuzeigen und so die Ausbildung zu optimieren. Außerdem bieten die meisten Innungen und auch die Handwerkskammern Fortbildungen und Workshops an, um mögliche, durch Spezialisierung der Betriebe, entstandene Wissenslücken aufzufüllen. So beschäftigt sich das Weiterbildungsprogramm einer Kfz Innung beispielsweise mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Elektrofahrzeuge und allgemeinen Innovationen zur Senkung der CO2 Emissionen im Bereich der Kfz-Technik.

Beobachtung der Arbeitsmarktentwicklung durch die Innung

In den vergangenen Jahren hat sich eine zunehmende Wirkung der demografischen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt in Deutschland herauskristallisiert. Es kommt zu einer immer stärkeren Überalterung in allen Wirtschaftsbereichen, welche sich jedoch vor allem im Handwerk bemerkbar macht. Immer mehr Betriebe beschweren sich über fehlende oder mangelhaft qualifizierte Lehrlinge. Aufgrund ihrer Nähe zu den regionalen Ausbildungsbetrieben kann hier eine Innung jede Entwicklung dokumentieren und entsprechend darauf reagieren, zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen in Schulen oder die gezielte Vermittlung von interessierten Jugendlichen an die Betriebe. So startete die Maler Innung Berlin eine Promotionaktion über das Social Network Facebook, um das Handwerk für junge Leute wieder interessant zu machen und Interessenten direkt an Berliner Malerbetriebe zu vermitteln.

Neben dem Fehlen von Lehrlingen stellt auch das Thema Schwarzarbeit einen wichtigen Aspekt für den Arbeitsmarkt dar. Gerade während der Finanzkrise kam es hier zu einem Anstieg der Zahlen. Dies führt nicht nur zu Millionenverlusten bei der Lohnsteuer und dem Abbau von Arbeitsplätzen, sondern gefährdet auch die regionalen Lohnstrukturen. Die Innungen bilden hier regional ein wichtiges Instrument für die Handwerkskammern zur Überwachung der Arbeitsmarktsituation im betreffenden Handwerk.

Förderung der Arbeitssicherheit durch die Innung

Jedes Jahr verursachen Arbeitsunfälle einen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe. Dabei ist das Handwerk im besonderen Maße betroffen, da hier nicht nur mit diversen Werkzeugen gearbeitet wird, welche teilweise über ein beträchtliches Gefährdungspotenzial verfügen, sondern auch die Baustellen selbst einige Gefahren bergen. Daher fällt es in den Aufgabenbereich der Innung, entsprechende Informationsveranstaltungen zum Thema Arbeitsschutz durchzuführen. Dies ist nicht nur für Lehrlinge von Bedeutung, die zunächst mit den Gefahren ihres Handwerks vertraut gemacht werden müssen, sondern auch für erfahrene Handwerker, die über die neuesten Sicherheitsmaßnahmen informiert werden sollten. Da gerade die Arbeit auf dem Dach zu den risikoreichsten Handwerksbereichen gehört, bietet jede Dachdecker Innung und auch der regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen und Workshops an, um die Zahl der Unfälle auf ein Minimum zu beschränken. Auf Bundesebene kommt der Zentralverband des Dachdeckerhandwerks dieser Aufgabe nach. Auch in anderen Handwerken wird auf dieses Thema großer Wert gelegt.

Die Innung informiert

Die Hauptaufgabe der Innung liegt in der Förderung des Informationsflusses sowohl zu seinen Mitgliedern als auch zu allen interessierten Personen. Daher veröffentlichen die meisten Innungen in regelmäßigen Abständen Details zu Veranstaltungen rund ums Handwerk. Dabei ist vor allem das Thema Messe von tragender Bedeutung, wobei sowohl regionale (Mitteldeutsche Handwerksmesse) als auch internationale Handwerksmessen gleichermaßen Beachtung finden. Zum Beispiel lud die zentrale Schornsteinfeger Innung Oberpfalz vor nicht allzu langer Zeit alle Interessierten zur kleinen Energiesparmesse ein, da die Fortschritte in der Entwicklung neuer Energiesysteme sowohl für Schornsteinfeger, deren Aufgabe die Wartung von Feuerstellen und Belüftungssystemen ist, als auch für Laien von großem Interesse sind.

Auch Veranstaltungen, die direkt zur Präsentation des Handwerks dienen, fallen in den Aufgabenbereich der Innung. So veranstaltet die Bäcker Innung Berlin 2010 das Brotfest, mit dem das Bäckerhandwerk in den Fokus der Konsumenten gerückt werden sollte. Zu diesem Zweck warteten Bäcker aus ganz Berlin mit ihren Brotspezialitäten auf. Ähnliche Veranstaltungen finden sich in beinah jedem Handwerk, um sich selbst und die eigenen Erzeugnisse und Arbeiten bei potenziellen Kunden zu präsentieren. Die Innung hilft hierbei seinen Mitgliedern bei allen organisatorischen Fragen.

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